Wer rastet, rostet

Und wer trainiert, wird fitter!

Auch wer erst im fünften Lebensjahrzehnt sportlichen Ehrgeiz entwickelt, kann mit 65 im Marathonlauf noch eine Zeit erreichen, die 1936 während der Olympiade für einen vorderen Rang ausreichte.

Sowohl Ausdauer und Kraft wie Geschicklichkeit (Jonglieren, Skifahren usw.) können über die ganze Lebensspanne hinweg gesteigert werden, darüber lassen uns die Sportwissenschaften nicht im Zweifel. Um einzelne Ziele zu erreichen, ist der Aufwand aber dem Alter des Organismus entsprechend meist grösser. Speziell die Ausdauer (Widerstandsfähigkeit gegenüber Er-müdung), eine psycho-physische Stärke, scheint gemäss Untersuchungen im Lauf des Lebens nicht zu schwinden. Und Krafttraining lässt die Muskelpakete auch bei Greisen messbar wachsen. Auch Beweglichkeit lässt sich jederzeit steigern; allerdings sind die Erfolge bei Personen grösser, die schon als junge keine Bewegungsmuffel waren.

Doch machen all diese erwiesenen körperlichen Effekte auch glücklicher? Steigern sie das psychische Wohlbefinden? Die wissenschaftlichen Studien fördern keine eindeutigen Resultate zutage. Sportliche Silberfüchse erfahren kaum generell höhere Lebenszufriedenheit als unsportliche; diese ist von andern Faktoren stärker abhängig. Kurzfristig nach einer sportlichen Tat wirkt die Erfahrung von Selbstwirksamkeit (ich kann das!) allerdings wohl-tuend und das Selbstkonzept wird gestärkt.

Jenseits von 70 sind raffiniertere Konzepte zur Bewältigung von Abbau-prozessen Voraussetzung für eine selbstwirksame Lebensführung und ein befriedigende Gewinn/ Verlust-Bilanz. Da braucht es kluge Steuerung, also Selektion der Aktivitäten, Optimierung des Einsatzes und Kompensation von Belastungen (z. B. längere Erholungszeiten).

Gibt es Rezepte für richtiges Verhalten in jedem Alter? Leider nein. Die individuellen Unterschiede sind zu gross, wobei Anlagen, Umweltbe-dingungen, Erfahrungen, Krankheiten usw. eine Rolle spielen. Ausprobieren ist angesagt, am besten in guter Gesellschaft. Fachlicher Rat ist in Sport-vereinen, Fitness- und Wellnesszentren oder spezialisierten Beratungs- und Coachingpraxen holen.

Quelle: Achim Conzelmann, UniPress Bern Nr. 132/ 2007

Zurück